Als erste Stadt Österreichs bietet Tulln seinen Bürgerinnen und Bürgern ein geschlossenes soziales Netzwerk, eine Nachbarschafts-App

Der Kaffee ist ausgegangen? Die Katze ist entlaufen? Oder man braucht schnell eine Motorsäge – und vielleicht sogar eine Person, die sie bedient? Die Menschen der unmittelbaren Nachbarschaft können helfen! Damit die Vernetzung leichter fällt, stellt die Stadtgemeinde Tulln ihren Bürgerinnen und Bürgern seit kurzem die kostenlose, sichere und vor allem praktische Nachbarschafts-App „Hoplr“ zur Verfügung. „Wir in Tulln pflegen das Gemeinsame – vielleicht mehr als andere. Deshalb setzen wir – als erste Stadt Österreichs – mit dieser neuen App die nächste Initiative, um die Stadt des Miteinanders weiter auszubauen“, so der Tullner Bürgermeister Mag. Peter Eisenschenk.

Frau Mag. Julia Schwanzer – verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadtgemeinde Tulln – wie kam’s denn zu dieser Nachbarschafts-App, unter dem etwas eigenwilligen Namen?

Ja, der Name „Hoplr“ ist gewöhnungsbedürftig; aber diese App kommt aus den Benelux-Staaten, wo sie sehr erfolgreich in vielen Kommunen eingesetzt wird. Im letzten Sommer hat unser Bürgermeister das Angebot kennengelernt – im Herbst haben wir einen Testballon in einem Stadtviertel Tullns acht Wochen lang umgesetzt und 80 Prozent der BewohnerInnen sprachen eine Empfehlung aus, diese Nachbarschafts-App für ganz Tulln zur Verfügung zu stellen. Vor Ostern wurden nun alle Haushalte Tullns mit einem persönlichen Brief des Bürgermeisters samt individuellem Zugangscode informiert – und schon zwei Wochen später nutzen 1.500 Personen diese App.  

Die Stadtgemeinde Tulln ist auf insgesamt sieben Hoplr-Nachbarschaften aufgeteilt: Die Stadt in vier Viertel, hinzu kommen Langenlebarn als größte Katastralgemeinde sowie die nördlichen und die südlichen Katastralgemeinden als jeweils eigene Viertel.

Was meinen Sie, macht den Erfolg aus? Fällt diese Initiative in Tulln, der „Stadt des Miteinanders“, einfach auf einen fruchtbaren Boden?

Ja, Tulln ist sicher vorbildlich in gemeinschaftsstiftenden Aktivitäten. So motiviert und unterstützt die Stadt ihre Bürger:innen beispielsweise unter dem Titel „Netzwerk Nachbar“ zu Grätzel-Festen: Wir stellen seit 2011 Heurigengarnituren, Partyzelte zur Verfügung, organisieren Straßensperren, gestalten Einladungen, Plakate und geben einen Kostenersatz von 150 €. So finden rund 30 Nachbarschafts-Feste pro Jahr statt. Und die Initiative „Stadt des Miteinanders“ fördert noch viel mehr: Kreativtreffen, Reparatur-Cafe, Spieletreff, Exkursionen u.v.m. - Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die neue Nachbarschafts-App prächtig. Das Potenzial liegt bei etwa 18.000 Personen – inklusive unseren Nebenwohnsitzern. Die neue App soll die Vernetzung in Tullns Nachbarschaften im Sinne der Initiative „Stadt des Miteinanders“ weiter stärken. Je mehr mitmachen, umso nützlicher wird’s für alle.

Ist „Hoplr“ die Tullner Antwort auf Facebook, Instagram & Co?

Unsere Nachbarschafts-App bietet viele Möglichkeiten der üblichen sozialen Netzwerke und ist doch anders – im positiven Sinne: Datenschutz und digitale Sicherheit stehen an erster Stelle, die Nutzer/innen sind verifiziert und die Plattform ist werbefrei. 

Hoplr ist ein lokales, geschlossenes und sicheres soziales Netzwerk – und vor allem kein Facebook: Bei Hoplr geht es nicht darum, Likes zu sammeln oder stundenlang zu scrollen. Es ist ein digitaler Dorfplatz, auf dem Qualität und Nachbarschaftshilfe wichtiger sind als Quantität. Durchschnittlich gibt es in den Hoplr-Nachbarschaften drei bis zehn Beiträge pro Woche – darüber wird man mittels Push-Nachricht oder E-Mail informiert. Keine Werbung und keine Algorithmen steuern den Feed – sondern nur die Nachbarinnen und Nachbarn mit ihren Angeboten, Fragen und Ideen.

Auch die Gemeinde selbst ist kein „Überwacher“ der Kommunikation unter den Nachbarn; der User bestimmt, ob eine Nachricht auch an die Stadt gerichtet wird.

Über die App dem Nachbar unschöne Worte auszurichten, ist keine Gefahr?

Die Tonalität ist hier ganz anders als auf Facebook. Die User/innen sind viel freundlicher. – allenfalls missbräuchliche Verwendung kann gemeldet werden und wird aktiv moderiert.  Schon im Testbetrieb hat sich gezeigt, dass der Umgangston in der App eine Besonderheit im Vergleich zu anderen Netzwerken ist. Die User/innen sind mit ihren Namen in der App registriert und auf Basis ihrer Wohnadresse ihrer Nachbarschaft zugeordnet – das sind wesentliche Faktoren für einen höflichen Umgangston, den man auf anderen Plattformen zunehmend vermisst. Außerdem ist die App frei von Werbung und durch bezahlte Beiträge gesteuerte Algorithmen – denn sie wird von der Stadtgemeinde Tulln finanziert. – Um 5.000 € pro Jahr. 

Was erwartet die Userinnen und User konkret in der App?

Die Stadt bietet diese Dienstleistung an im Sinne des Miteinanders! Im Gegensatz zu Facebook gibt es weniger Beitrage – aber dafür solche mit echtem Mehrwert: Postings der Nachbarinnen und Nachbarn, z.B. zu konkreter Nachbarschaftshilfe, verleihen/ verschenken von Gegenständen, gemeinsame Aktivitäten. Direkt-Chat mit den  Nachbarinnen und Nachbarn. Eigene Chat-Gruppen für Straße oder Mehrparteienhaus. Lokaler Marktplatz (ähnlich willhaben). Und: Wichtige lokale Informationen.                                                                                                                                                                                             (mg4-26)