„Die Kraft der Nachbarschaft spüren“ - „Kurze freundliche Begegnungen statt Kampfzone!“
„Nachbarschaft gestalten – aber wie?“ Das war das Motto einer exklusiven Diskussions-Veranstaltung „Fokusgruppe Nachbarschaft“ der Kultur.Region.Niederösterreich im Seminar- und Ausbildungszentrum Atzenbrugg am 28. 4. 26.
„In dieser Zeit des gesellschaftlichen Wandels gilt: Was kann jede/r einzelne tun, damit es uns allen besser geht?“, betonte der Geschäftsführer der Kultur.Region.NÖ, Martin Lammerhuber, „wer aus eigener Kraft schöpft, kann die Kraft der Nachbarschaft spüren!“
„Nachbarschaft wird allzu oft als Kampfzone missbraucht, wo man gar vor Gericht Gerechtigkeit erzwingen möchte“, meinte Helga Steinacher, die Akademie-Leiterin der Kultur.Region.NÖ, „es geht vielmehr um die Würdigung des sozialen Kapitals mit Werten wie Zugehörigkeit, Vertrauen und gegenseitiger Hilfe - in kurzen, freundlichen Begegnungen.“
25 Gemeinschafts-Engagierte aus ganz NÖ – aus Kulturvereinen, Gesunden Gemeinden, von Bauträgern bis zur NachbarschaftsKultur – widmeten sich in fünf Diskussionsrunden über fast vier Stunden dem brisanten Thema, wie gute Nachbarschaft gelingen kann.
„Das Schlüsselwort heißt Respekt“, hebt Christine Raab-Riedl aus Klosterneuburg-Weidling hervor, „die Würde des Menschen muss hochgehalten werden!“ - „Etikettierun-gen wie `der Fremde´ oder `der Andere´ verhindern den Beziehungsaufbau“, macht der Kremser Murat Düzel von der Integrationsstelle des Landes NÖ klar. „Wir achten sehr auf die Sprache: bei uns in Tulln werden alle als Nachbarn – und nicht als `Zuagreiste´ - angesprochen, egal, ob sie ein paar Monate oder schon zehn Jahre hier wohnen“, erläutert Stefanie Jirgal. „Sich für den anderen Zeit nehmen, Fragen stellen und zuhören – das sind hohe Werte für ein gelingendes Miteinander“, betont Ramona Lavenson von der Telefonseelsorge NÖ.
Gute Nachbarschaft braucht Orte und Gelegenheiten für Begegnung: „Wir machen regelmäßig Feste am Plauder-Platzl“, verweist Benjamin Steyrer aus Melk. „In Eichgraben gibt es das `Wander-Bankerl´, das durch den Ort wandert, immer wo anders aufgestellt wird und viel Zuspruch findet“, so Martina Pagliarini, BHW Projektleiterin.
Auch Bauträger können Kommunikation fördern: „Wir gestalten die Schlüssel-Übergabe in einem Festakt mit der Gemeinde, damit die Mieter einander prompt kennenlernen können“, erzählt Oliver Hruby von der WET-Gruppe. Und Kollegin Anna Weidenhöfer – Die Siedlung Amstetten – ergänzt: „Damit Probleme in der Nachbarschaft erst gar nicht entstehen mögen, gestalten wir nun eine Broschüre für neue MieterInnen.“
„Es kommt schon vor, dass Zugezogene den Einheimischen vorschreiben wollen, wie das Zusammenleben laufen soll“, weiß Doris Maurer, Geschäftsführerin der Nachbarschafts-Kultur Waldviertel. „Man muss bei aller Offenheit akzeptieren, dass nicht jeder will, was ich der Gemeinschaft schenken möchte“, stellt Doris Hauser aus Pulkau klar.
„Vereine bieten eine große Chance zur Aktivierung der Nachbarschaft“, weist Sonja Schmid vom Freiwilligencenter NÖ hin, „denn dort wird bereits das Miteinander gepflegt.“
Helga Steinacher regt an: „Das generationsübergreifende, interkulturelle (Mit-)Gestalten einer Kultur der guten Nachbarschaft fördert die freundliche Zuwendung, hilft, Vorurteile zu überwinden und verbessert die Lebensqualität für alle. (mgrei)
