Neue Möglichkeiten nachbarschaftlicher Begegnungen: „Lass uns zusammentreffen am DRITTEN ORT …“

„Dritter Ort?“ - Ray Oldenburg (1932 – 2022), Professor für Soziologie an der University of West Florida, war ein US-amerikanischer Stadtplaner, der durch sein Konzept der „Third Places“ bekannt wurde. 1989 nominierte er informelle Begegnungsräume abseits von Zuhause (Erster Ort) und Arbeitsplatz (Zweiter Ort), die den sozialen Zusammenhalt begünstigen. Diese „Dritten Orte“ sind neutral, gemütlich, gesprächsorientiert, nieder-schwellig, konsumfrei/kostengünstig, hierarchiefrei, sie fördern Gemeinschaft, Kultur Wohlbefinden - und bieten einen angenehmen Ausgleich zum Alltag, einen Treffpunkt

Manch Freund/Freundin eines traditionellen Kaffeehauses stellt die Hierarchie dieser  Orte wohl auf den Kopf: Da wird das Café zum „Ersten Ort“, zum wahren Zuhause … Doch gerade im ländlichen Raum fallen viele „herkömmliche Dritte Orte“ weg. Gasthöfe, Greißler, kleine Geschäfte, Tankstellen – die neben dem Einkauf, der Konsumation auch wichtige Kommunikations-Zentren waren – schließen. Und zurückbleibt ein soziales Vakuum, eine Sehnsucht nach Begegnung und Austausch …

Neue Dritte Orte – als selbstorganisierte, multifunktionale, innovative Begegnungsräume - entstehen: Bibliotheken, Veranstaltungs-Bühnen, Werkstätten, Proberäume, Parks, das „Brunnen-Platzl“, ein „Grätzl-Biotop“, ein „Freu-Raum“, Vereinslokale, Fitnessstudio, Museen,  Kapellen, Gemeindezentren, „Co-Working-Spaces“ oder Nachbarschaftstreffs. 

Ein Dritter Ort kann sich aber auch vorübergehend – spontan – quasi als „Pop Up“ ergeben: Da wird der Müll-Raum zum Treffpunkt. Oder die Gemeinschafts-(Wasch-) Küche. Oder ein „Dialog-Raum“ in der Tiefgarage. 

Oft bedarf es nur eines kleinen Aushangs am Schwarzen Brett: „Wer hat Lust? - Am Donnerstag, 17 Uhr, treffen wir im X-Raum zusammen … Herzlich willkommen!“

Die modernen Technologien machen es möglich, dass ein Dritter Ort auch virtuell stattfinden könnte: „Wollen wir am Mittwoch über Zoom zusammenkommen?“

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: „Coffee to go am Dienstag NM auf der Stiege 4 …“ Und nach dem zweiten gelungenen Treff wird schon Tradition, eine Dauereinrichtung draus: Eben ein Dritter Ort

Wesentlich an diesen Dritten Orten ist: Sie sind zugänglich für ALLE Bevölkerungs- und Altersgruppen. Ohne Eintritt, ohne Mitgliedschaft, ohne Konsumzwang. Sie bieten Gelegenheiten zum Austausch, Engagement, zur Mitwirkung, für neue Erfahrungen, sie fördern soziale Kontakte, intergenerationelle Begegnung, Beteiligung, Gemeinschafts-leben, Geselligkeit, den nachbarschaftlichen Zusammenhalt. 

Die Schaffung und Erhaltung Dritter Orte könnte/sollte ein spannendes Betätigungsfeld gelebter Nachbarschaft sein und werden …                                                           © Manfred Greisinger