Der Waldviertler Verein NachbarschaftsKultur - Eisgarn:
„Wir vermitteln Begegnung“
NachbarschaftsKultur ist ein gemeindeübergreifender Verein mit Sitz in Eisgarn (Bezirk Gmünd), der von 31 Gemeinden im gesamten Waldviertel gemeinsam getragen wird. 650 Ehrenamtliche und 11 Mitarbeiterinnen unterstützen rund 850 ältere Personen regelmäßig – u. a. mit Einkaufs-, Fahr-, Begleit- und Besuchsdiensten.
Vereinsobmann Bgm. Ing. Günter Schalko betont: „Wir vermitteln vor allem Begegnung, die wichtigste aller gesundheitsfördernden Maßnahmen – auch gegen Einsamkeit! Damit Menschen in unseren Gemeinden so lange wie möglich selbstbestimmt und gut begleitet zu Hause leben können, gibt es diese Initiative NachbarschaftsKultur. Ziel ist es, in jeder unserer Gemeinden Anfragen für soziale Dienste von uns direkt mit ehrenamtlichen Helfern/innen zusammen zu bringen. - Gemeinsam schenken wir Menschen Sicherheit, Eigenständigkeit und ein Lächeln!“
Herr Obmann Bürgermeister Schalko, wie ist denn diese Initiative entstanden?
Der Verein NachbarschaftsKultur ist seit 1. 1. 2026 aktiv; als Pionier agierte jedoch schon 2019 „Nachbarschaftshilfe Plus“ in den beiden Gemeinden Pölla und Röhrenbach.
2021 hab ich mit fünf Gemeinden im nördlichen Waldviertel gestartet.
Nun ziehen 31 Gemeinden an einem Strang – und drei weitere Gemeinden im Bezirk Horn sind in der Aufbauphase; werden zum Verein dazustoßen.
Diese breite regionale Verankerung bildet das Fundament unserer Arbeit. NachbarschaftsKultur ist ein soziales Projekt, welches für ALLE Einwohner:innen der Mitgliedsgemeinden KOSTENLOS ist.
Was ist das konkrete Angebot – an wen und wie wird’s genutzt?
Folgende soziale Dienste sind durch NachbarschaftsKultur gratis in den 31 Mitglieds-Gemeinden für ältere, alleinstehende Menschen möglich: Fahr- und Begleitdienste, Einkaufsdienste, Medikamente besorgen, Besuchsdienste mit Plaudern & Kaffee trinken, Karten spielen, Spaziergehdienste, Ausflüge in die Natur, Unterstützung beim Gebrauch des Handys … oder mal Hilfe beim Ausfüllen von Formularen …
Dabei werden KEINE Pflege- oder hauswirtschaftlichen Dienste angeboten! Es wird NICHT gekocht, geputzt, gebügelt, gewaschen, Gartenarbeit geleistet, therapiert und es werden auch keine Medikamente verabreicht.
Was würden Sie als das ganz Besondere Ihres Vereins herausstreichen?
Wir heben das Ehrenamt in die Neuzeit! – Was meine ich damit: In unserer Zeit spielen Unabhängigkeit und Freiheit eine große Rolle. Ehrenamt und Freiwilligkeit müssen damit konform gehen. Bei uns registrieren sich Ehrenamtliche, aber sie gehen keine Verpflichtung ein. Man engagiert sich von einem Dienst zum nächsten. So macht das Ganze Spaß. Das System ist transparent und es funktioniert.
Frauen machen bevorzugt Besuchsdienste, Männer bieten gerne Fahr- und Begleitdienste an; wobei der Verein das amtliche Kilometergeld refundiert.
NachbarschaftsKultur lebt von dieser gemeinsamen Verantwortung. Die Zusammen-arbeit über Gemeindegrenzen hinweg stärkt nicht nur das Projekt, sondern auch den sozialen Zusammenhalt und die Lebensqualität im gesamten Waldviertel.
Wir funktioniert die Nachbarschaftshilfe konkret?
Man nimmt mit NachbarschaftsKultur Kontakt auf - entweder per Telefon, per App bzw. über eine Vermittlungskoordinatorin – www.nachbarschaftskultur.at - und teilt uns mit, welcher Dienst gebraucht wird. NachbarschaftsKultur sucht dann eine/n passende/n Ehrenamtliche/n aus jener Gemeinde, die/der Zeit hat und gerne den gewünschten Dienst übernimmt oder begleitet. Das wird dann der/dem Hilfesuchenden rückgemeldet und ein Termin fixiert.
In der Generalversammlung ist jede Gemeinde mit zwei Vertreter/innen eingebunden – in der Regel durch Bürgermeister/innen oder Vizebürgermeister/innen sowie weitere Gemeindevertreter/innen. Diese Struktur ermöglicht eine partnerschaftliche, parteiübergreifende Zusammenarbeit auf Augenhöhe und kurze Entscheidungswege.
Wie sehen Sie die Zukunft von Ihrer Initiative NachbarschaftsKultur?
Wir können wirklich ein Game-Changer sein. Die soziale Dimension wird für Gemeinden immer herausfordernder. Und steigende Pensionisten-Zahlen wollen bewältigt werden. Hier können wir einerseits Ehrenamtliche fürs Engagement gewinnen für die Betreuung Hilfsbedürftiger. Das bietet Sinn für alle Beteiligten.
Unsere Erfahrungen – Herzblut gepaart mit Wissen – mögen dieses System wachsen lassen; je größer es wird, umso besser: Vom Waldviertel über ganz Niederösterreich – in andere Bundesländer – warum nicht in ganz Europa?!
(mg 4-26)
